Seit Ende August finden im Inneren der Friedhofskirche der hl. Hermagoras und Fortunatus auf dem historischen Friedhof von Piran Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten statt, bei denen nach und nach ihr ursprüngliches Erscheinungsbild aus dem 19. Jahrhundert freigelegt wird. Unter späteren Farbschichten verbergen sich neugotische dekorative Malereien mit Motiven eines blauen Sternenhimmels, illusionistischer Architektur sowie Imitationen von Stein und Marmor.
Für Besucher von Piran bietet das Projekt eine neue Gelegenheit, einen weniger bekannten, aber wertvollen Teil des kulturellen Erbes der Stadt zu entdecken.
Das verborgene Erscheinungsbild der Kirche aus dem 19. Jahrhundert
Die Kirche der hl. Hermagoras und Fortunatus wurde Mitte des 19. Jahrhunderts im neugotischen Stil entworfen. Ihr Innenraum ist geprägt von profilierten Rippen, Stuckelementen und dekorativen Malereien, die im Laufe der Jahrzehnte mehrfach mit neuen Farbschichten überdeckt wurden.
Fachliche Untersuchungen haben gezeigt, dass sich darunter noch die ursprüngliche Malerei in Secco-Technik erhalten hat. Zu den markantesten Motiven zählen ein blauer Sternenhimmel, illusionistische Architektur sowie Malereien, die Stein und Marmor imitieren.
Trotz lokaler Schäden ist die ursprüngliche Dekoration relativ gut erhalten, an einigen Stellen jedoch sehr empfindlich. Besondere Herausforderungen stellen schlecht haftende Farbschichten sowie das Abblättern und Kreiden späterer Übermalungen dar.
Schicht für Schicht zum ursprünglichen Erscheinungsbild
Der Hauptteil der Restaurierungsarbeiten besteht in der schrittweisen Entfernung späterer Übermalungen und der Freilegung der originalen Dekoration an Wänden, Gewölbe und Stuckelementen.
Da unterschiedliche Materialien verwendet wurden und auch ihr Erhaltungszustand variiert, müssen die Restauratoren ihre Arbeitsweise an jede einzelne Oberfläche anpassen. An manchen Stellen werden spätere Farbschichten mechanisch mit einem Skalpell entfernt, an anderen kommen schonendere Verfahren zum Einsatz, die möglichst wenig in die empfindliche Originalschicht eingreifen.
Besonders anspruchsvoll ist die blaue Ausmalung des Gewölbes mit Sternen, da die ursprüngliche Farbschicht dort besonders empfindlich ist.
Parallel zur Freilegung der Malereien werden geschwächte Farbschichten gefestigt, beschädigte Stellen lokal gekittet sowie bei Bedarf retuschiert und farblich angepasst.
Ziel der Restaurierung ist es nicht, ein neues Erscheinungsbild der Kirche zu schaffen, sondern möglichst viel von der ursprünglichen Dekoration zu bewahren und ihre historische Wirkung für Besucher wieder lesbar zu machen.
Kulturerbe und Ausbildung zukünftiger Restauratoren
Die Arbeiten werden von einem Team der Akademie für Bildende Kunst und Design der Universität Ljubljana ausgeführt. Vor Ort arbeiten sechs bis acht Studierende der Konservierung und Restaurierung unter der Leitung von Assoc. Prof. Dr Blaž Šeme.
Das Projekt ist somit nicht nur ein wichtiger Schritt zur Bewahrung des kulturellen Erbes von Piran, sondern zugleich eine wertvolle praktische Erfahrung für eine neue Generation von Konservatoren und Restauratoren.
Bei einer ständigen Anwesenheit von mindestens fünf Fachkräften sollen die Arbeiten voraussichtlich bis Anfang Oktober dauern. Bei einer größeren Zahl beteiligter Konservatoren und Restauratoren können sie auch früher abgeschlossen werden. Der Wert der Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten beträgt 24.725,20 Euro ohne MwSt..
Ein weiterer Grund, das weniger bekannte Piran zu entdecken
Der historische Friedhof von Piran mit seiner Architektur, seinen Grabmälern und der Kirche der hl. Hermagoras und Fortunatus ist ein bedeutender, jedoch oft übersehener Teil des städtischen Kulturerbes.
Die Restaurierung eröffnet einen neuen Blick auf das ursprüngliche neugotische Erscheinungsbild der Kirche und zeigt zugleich, dass sich viele spannende Geschichten Pirans auch abseits der meistbesuchten Straßen und Plätze entdecken lassen.

