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Der Gemeindepalast

Die Venezianer haben nach ihrer Machtergreifung Ende des 13. Jahrhunderts außerhalb der damaligen Stadtmauern am Hafen ein Stadthaus im romanisch-gotischen Baustil errichtet, dessen Fassade reich mit Wappen und Schrifttafeln geschmückt war. Dieses wurde in Jahr 1877 abgerissen. Neben dem alten Stadthaus wurde damals auch der Übergang abgerissen, der es mit der ehemaligen Loggia verband. Der Bau des neuen Gerichtspalast wurde zwei Jahre später abgeschlossen. In seiner Mittelachse befindet sich in der zweite Etage die Steinfigur eines Löwen mit geöffnetem Buch als Gedenken an die Serenissima und an das alte Stadthaus. Der Löwe mit dem Buch wurde an fast allen bedeutenden Stadtgebäuden angebracht: ein offenes Buch bedeutete Frieden, ein geschlossenes Krieg. Im Atrium des Palastes wurden Schrifttafeln mit einigen Wappen aus dem alten Stadthaus und ein vieleckiger Stein mit Maßeinheiten eingebaut.



Interessant ist eine das Gemälde betreffende Legende, die bis heute in Piran lebendig ist und von Generation zu Generation weitergegeben wird: Bereits im 16. Jahrhundert war die Piraner Pfarrkirche St. Georg schon stark vom Zahn der Zeit angegriffen. Der hl. Georg machte die Bürger auf die Mängel aufmerksam. Er suchte sich einen Jungen aus, der gerade im Hafen war und bestellte ihm, er solle dem Bürgermeister mitteilen, dass er, der heilige Ritter, sehr empört sei, da die ihm geweihte Kirche vom Zerfall betroffen sei. Nur noch durch ein Wunder, das aber nicht ewig dauern könne, würde sie aufrecht stehenbleiben. Es sei höchste Zeit, dass die Piraner mit der Renovierung anfingen. Der Knabe stammelte ängstlich: "Und wenn der Bürgermeister mir nicht glaubt?" Der heilige Ritter antwortete warnend: "Dann wird er erblinden!" Und tatsächlich: seine Vorhersage wurde wahr. Der Bürgermeister wurde blind und der kleine Vermittler verschwand. Da dachte der blinde Bürgermeister lange nach. Er versammelte den großen Rat, eine Grupe von besonnenen und klugen Herren, die ihm bei der Stadtverwaltung halfen, und vertraute ihnen seinen Kummer an. Daraufhin wurde die Renovierung in Angriff genommen. Auf dem Gemälde oben links kann man die Kirche St. Georg mit dem Kirchturm und der Taufkapelle sehen. Über die Bauarbeiten des Komplexes der Pfarrkirche St. Georg mit dem Kirchturm und der Taufkapelle nach jetziger Anordnung und mit den mächtigen Stützbögen an der Nord- und Südseite des Kirchenhügels wurden schon in der Zeit der Entstehung des Gemäldes Entscheidungen getroffen. In seiner heutigen Form wurde der Komplex erst in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts fertiggestellt. Im Vordergrund des Gemäldes von Domenico Tintoretto ist das "glückliche Ende" dargestellt; der Bürgermeister gewann sein Augenlicht wieder, der Junge kehrte zurück und fiel inmitten der Piraner Vornehmen auf die Knie nieder. Alle waren zufrieden, die Himmelsbewohner ebenso wie die Erdbewohner.

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